Integrative Modellierung virtueller Unternehmen mit höheren Petri Netzen und Ontologien

Forschungsprojekt PrOnto

„A major problem with E/R diagrams and similar
formalisms is that they are strictly less powerful
then formal logic. As a consequence, they are
incapable of dealing with certain important design
features - in particular, anything involving quantifiers,
which includes most integrity constraints -
that formal logic can handle. (The quantifiers
were invented by Frege in 1879, which makes
E/R diagrams a pre-1879 kind of logic!)“
John Sowa

 

1. Exposition

1.1. Relevanz des Untersuchungsobjektes

Unternehmensnetzwerke werden seit einigen Jahren intensiv in der wirtschaftswissenschaftlichen Literatur untersucht. Sie stellen eine auf Wettbewerbsvorteile zielende intermediäre Organisationsform ökonomischer Aktivitäten zwischen Markt und Hierarchie dar, „die sich durch komplex-reziproke, eher kooperative denn kompetitive und relativ stabile Beziehungen zwischen rechtlich selbständigen, wirtschaftlich jedoch zumeist abhängigen Unternehmungen auszeichnet“ [Syd92, 82; Syd95, 630]. Die Bedeutung von Unternehmensnetzwerken für Theorie und Praxis rührt zu einem großen Teil daher, dass sie einen Oberbegriff für Kooperationsformen darstellen, von denen eine Erhöhung der Flexibilität auf Märkten mit hoher Wettbewerbsintensität erhofft werden kann.

Eine Ausprägungsform von Unternehmensnetzwerken sind virtuelle Unternehmen. Virtuelle Unternehmen zeichnen sich dadurch aus, dass rechtlich selbständige Unternehmen zwecks arbeitsteiliger Leistungserstellung zusammenkommen und diese Konfiguration nach außen – insbesondere für Kunden intransparent bleibt [MeGrEh98, 3; Syd95, 631; WüPh00, 204]. In der vorliegenden Projektdarstellung werden die aufgezeigten Problemfelder auf virtuelle Unternehmen bezogen.

Das Management interorganisationaler Geschäftsprozesse erweist sich – im Gegensatz zum Management intraorganisationaler Geschäftsprozesse – als komplexer, da der Koordinationsaufwand durch Schnittstellen an den jeweiligen Unternehmensgrenzen erhöht wird [Hir98, 37; MaSch97, 17; vdAa99, 67]. Es bedarf daher Instrumente zur Reduktion der Komplexität beim Management interorganisationaler Geschäftsprozesse. Es kann dabei davon ausgegangen werden, dass computergestützte Instrumente effizienzsteigernd wirken.

Die Realisierbarkeit virtueller Unternehmen ist unter anderem auf das mittlerweile hohe Leistungspotenzial der Informations- und Kommunikationstechnologie zurückzuführen [Kle96, 1 u. 38]. Durch den Einsatz von Computern können interorganisationale Geschäftsprozesse so koordiniert werden, dass eine – im Vergleich zu autonom agierenden Unternehmen – effizientere Leistungserstellung möglich wird. Somit erlangen Informationssysteme eine besondere Relevanz bei der unternehmenssübergreifenden Abstimmung von Geschäftsprozessen.

Um eine effiziente Computerunterstützung für die arbeitsteilige Leistungserstellung in virtuellen Unternehmen zu ermöglichen, bedarf es einer formalen Beschreibung des zu unterstützenden Systems [Pic98, 119]. Die Informationen über die statischen und dynamischen Eigenschaften des Unternehmensnetzwerkes, die durch zwischenbetriebliche Informationssysteme unterstützt werden sollen, müssen hierfür zunächst explizit spezifiziert werden. Die Spezifikation der Entitäten und der Relationen zwischen den Entitäten erfolgt in Modellen. Modelle repräsentieren Wissen über den modellierten Realitätsausschnitt. Als Instrument für die Modellierung dienen Modellierungssprachen.

Im Kontext virtueller Unternehmen haben Modelle mehrere Funktionen. Hierzu gehören zum Beispiel:

Geschäftsprozessoptimierung

Die Geschäftsprozesse eines Unternehmens können mittels Modellen verbessert werden. Durch die modellgestützte Analyse des bestehenden Systems können Ineffizienzen aufgedeckt und z.B. mittels wiederum modellgestützter Simulation behoben werden.

Entwurf von Anwendungssystemen        

Durch modellgestützte Anforderungsspezifikationen kann dem Aufwand bei der nachträglichen Berücksichtigung von Anforderungen vorgebeugt werden. Vor der Implementierung von Anwendungssystemen können Prozesse identifiziert werden, deren Unterstützung durch das System möglich sein soll.

Workflow-Management-Systeme

Um Interoperabilität zwischen den Geschäftsprozessen der am virtuellen Unternehmen beteiligten Unternehmen zu gewährleisten, werden zu ihrer Abstimmung vermehrt Workflow-Management-Systeme (WMS) eingesetzt [LiSh03; vdAa00]. Sie stellen eine Sonderform betrieblicher Anwendungssysteme (s.o.) dar, die auf die Unterstützung des Dokumentflusses ausgerichtet sind. Die Implementierung eines WMS setzt wiederum die Spezifikation der zu unterstützenden Prozesse in einem Modell voraus.

Wissensmanagement

Die Modellierung virtueller Unternehmen unterstützt Aktivitäten im Rahmen des interorganisationalen Wissensmanagements. Eine Möglichkeit besteht dabei darin, den Wissensfluss in die Planung des virtuellen Unternehmens einzubeziehen. So kann zum Beispiel der für die Durchführung einer Aktivität notwendige Zugriff auf Wissensfragmente in einem Modell dargestellt, analysiert und erforderlichenfalls optimiert werden.

1.2. Wissenschaftliche Problemstellung

Aus den obigen Ausführungen ergibt sich ein Bedarf nach Methoden, die die Modellierung virtueller Unternehmen erlauben. Der Bedarf erstreckt sich dabei auf Methoden, die die Modellierung sowohl dynamischer als auch statischer Merkmale erlauben, um sowohl ablauf- und aufbauorganisatorische als auch funktions-, daten- und objektorientierte Aspekte des virtuellen Unternehmens repräsentieren zu können. Die bisher in der Literatur untersuchten Methoden zur Modellierung von (virtuellen) Unternehmen weisen allerdings Defekte auf, von denen die folgenden besonders schwerwiegenden Charakter haben:

A) Formalisierungsdefekt

Um konzeptionelle Modelle als Vorstufe für eine informationstechnische Spezifikation verwenden zu können, müssen sie formal vorliegen [Fra99, 156; Pra02, 38]. Formale Spezifikationen lassen sich über geeignete Transformationsregeln in ausführbare Programme überführen. Effizienzsteigernd wirken sich Modelle dann aus, wenn sie in einem implementierungsnahen Formalismus spezifiziert werden und somit geringe „Reibungsverluste“ bei der Transformation zu erwarten sind. Formale Modelle können - im Gegensatz zu natürlichsprachlichen oder semiformalen Modellen - für Analysen, Tests und Simulationen verwendet werden.     

Darüber hinaus können mit formalen Spezifikationen mehrdeutige Interpretationen der Modelle ausgeschlossen werden. Mehrdeutigkeiten sind des Öfteren bei semiformalen oder natürlichsprachlichen Beschreibungen der Realität zu beobachten. Durch die präzise Festlegung der Grammatik der Modellierungssprache können mehrdeutige Interpretationen und hierdurch verursachte Effizienzverluste vermieden werden[1]. Traditionelle Methoden der formalen Modellierung entbehren jedoch Möglichkeiten der Nachvollziehbarkeit für nicht vorgebildete Anwender. Für ihre Verwendung bedarf es zumeist Vorwissen in informationstechnischer Spezifikation. Daher eignen sie sich nicht für die Kommunikation zwischen allen Akteuren in einem Prozess.

B) Sprachdefekt

Gängige Modellierungsmethoden beruhen auf der Präsupposition, dass die an der Leistungserstellung beteiligten Akteure die gleiche Sprache verwenden. In Bezug auf virtuelle Unternehmen erweist sich dies allerdings in zweifacher Form als Trugschluss: Zum einen sind an der Leistungserstellung in virtuellen Unternehmen per definitionem rechtlich – und oftmals auch wirtschaftlich – unabhängige Unternehmen beteiligt. Die unterschiedlichen lokalen und historischen Hintergründe der beteiligten Unternehmen äußern sich unter anderem auch in der Verwendung unterschiedlicher Sprachen. Zum anderen kann die Vorgabe einer Sprache von einem „fokalen Unternehmen“ durch das zeitlich begrenzte Zusammenwirken der Beteiligten in einem virtuellen Unternehmen ineffizient sein. Der Einsatz einer von außen vorgegebenen Sprache könnte für potenzielle Netzwerkpartner eine Erhöhung der Transaktionskosten bedeuten, durch die die Vorteile einer Beteiligung an einem zeitlich begrenzten Unternehmensnetzwerk (über-)kom­pensiert würden.

Der Sprachdefekt traditioneller Modellierungsmethoden wirkt sich darüber hinaus in einer weiteren Form effizienzmindernd aus: Voraussetzung für die Wiederverwendbarkeit betrieblicher Anwendungssysteme ist die Nachvollziehbarkeit der verwendeteten Begrifflichkeiten durch potenzielle Wiederverwender [Fra99, 155]. Da jedoch virtuelle Unternehmen einen projektartigen Charakter aufweisen und daher oftmals neue Partnerkonfigurationen entstehen, werden die Möglichkeiten zur Wiederverwendung verringert.

C) Ausdrucksdefekt

Zur Modellierung virtueller Unternehmen werden Methoden benötigt, die die Repräsentation von Wissen sowohl über die interorganisationalen Geschäftsprozesse als auch ­über die prozessrelevanten Objekte ermöglichen. Letztere setzen sich aus einfach und komplex strukturierten Objekten zusammen [Len03, 1]. Während sich die Repräsentation von Wissen über einfach strukturierte Objekte mittels traditioneller Methoden realisieren lässt, erweist sich die Repräsentation von Wissen über komplexe Objekte als schwierig. Oftmals müssen im Zuge von Transformationen zu implementierungsnahen Normalformen strukturierte Objekte auf „flache Attribute“ abgebildet werden [Obe96, 105]. Der Ausdrucksmächtigkeit solcher Methoden sind daher Grenzen gesetzt.

D) Nebenläufigkeitsdefekt

Bei der zwischenbetrieblichen Leistungserstellung haben nebenläufige Aktivitäten eine besondere Bedeutung, da autonome Akteure teilweise zeitlich parallel oder kausal unabhängig agieren. Die örtliche Trennung der einzelnen Aktivitäten wird zumeist mit dem Ziel der qualitativ höherwertigeren Leistungserstellung durchgeführt. Um diesem Ziel gerecht zu werden, wird daher an Modellierungsmethoden die Anforderung der adäquaten Berücksichtigung solcher nebenläufiger Aktivitäten gestellt, um eine modellgestützte Koordination der Aktivitäten zu ermöglichen. Gängige Modellierungsmethoden sind allerdings nicht auf die Abbildung nebenläufiger Aktivitäten ausgerichtet, da sie nicht auf die Fragestellungen verteilter Systeme ausgerichtet sind.

Aufgrund der oben aufgeführte Defekte gängiger Modellierungsmethoden bleibt der Bedarf nach Methoden zur Modellierung virtueller Unternehmen derzeit teilweise ungedeckt. Diese nicht-triviale Forschungslücke hat für die Wirtschaftswissenschaften eine hohe Bedeutung, da zu erwarten ist, dass das Konzept virtueller Unternehmen auch in den nächsten Jahren in der Literatur diskutiert werden wird.

2. Methoden zur Problemlösung

2.1. Methodische Grundlagen des Integrationskonzepts

2.1.1. Ontologien

Seit einigen Jahren werden Ontologien[2] im Kontext der konzeptionellen Modellierung auf der Wissensebene[3] diskutiert [Gua95, 631; GuHeWa02, 65; MyBoYu97, 293; Pfe00, 231; SuSt02, 252; WiWi92, 387]. Das Leistungspotenzial[4] von Ontologien wurde bisher unter anderem hinsichtlich der „semantischen Anreicherung“ von Webseiten im Internet („Semantic Web“) [CrSh01, 158; Din02, 210; ErSt01, 324; Hef01, 24; Hes02, 478; Kim02, 52; MaSt01 72], E-Commerce [Fen01a, 9; Fen01b, 47; Lei02, 103; Ome02, 264] und Wissensmanagement [Dec02, 71; Fen01b, 19; MiKi01, 19; Mul01, 358; Ole98, 37; Sta02, 200] untersucht.

Anhand der formalen Spezifikation in Ontologien kann das Fachwissen einer Domäne durch die Einbettung der Begriffe[5] in ihren semantischen Kontext maschinenverarbeitbar strukturiert werden. Somit wird die Kommunikation von Menschen und Softwareagenten sowohl miteinander als auch untereinander – aufbauend auf einem gemeinsamen Verständnis für die verwendeten Begriffe – ermöglicht. Die begriffliche Strukturierung ist somit unerlässlich um effiziente Leistungserstellung zu ermöglichen [Ort97, 20].

Durch die formale Begriffsstrukturierung anhand von Ontologien ist es möglich, Wissen so zu repräsentieren, dass es sich mit Hilfe von Computern erschließen lässt. Die Vorteile der expliziten Formalisierung des Domänenwissens sind zweierlei.  Zum einen können durch den Zwang zur Explikation von oft implizit vorausgesetztem „Hintergrundwissen“ Ambiguitäten bei der Kommunikation vermieden werden. Von der ontologiegestützten Formalisierung kann dabei erhofft werden, dass sich durch Sprachdivergenzen bedingte Effizienzverluste im Unternehmen teilweise beheben lassen. Insbesondere aus diesem Grunde erlangen Ontologien eine hohe Bedeutung für die Wirtschaftswissenschaften. Zum anderen äußert sich die formale Semantik von Ontologien in einem weiteren Vorteil: Durch den Rückgriff auf quantifizierte Aussagen können gesetzesartige Zusammenhänge in einer Domäne spezifiziert werden. So erlauben es Inferenzregeln, Wissen, das zuvor lediglich implizit im Modell vorhanden war, computergestützt zu explizieren. Ebenso können mittels Integritätsregeln semantisch „sinnlose“ Aussagen ausgeschlossen werden.

Um der sprachkritischen Position [Ort97, 28] gerecht werden zu können, die mit Ontologien angestrebt wird, bedarf es einer Repräsentationssprache, die die Abstraktion von Details der Implementierung zulässt. Daher wird die Spezifikation der Ontologien in der im Forschungsprojekt PrOnto mittels der Prädikatenlogik erster Ordnung erfolgen. Von der prädikatenlogischen Spezifikation werden mehrere Vorteile gegenüber einer implementierungsnahen Spezifikation erhofft. Potenziell in Frage kommende Sprachen zur Spezifikation von Ontologien sind bisweilen nicht ausreichend untersucht worden. Vielfach weisen die Sprachen Defekte auf, die sich auf die Qualität des zu entwickelnden Integrationskonzepts negativ auswirken würden. Durch den Rückgriff auf bereits vorliegende theoretische Untersuchung logikbasierter Kalküle, können „Reibungsverluste“ im Integrationskonzept vermieden werden. Zudem weist die Prädikatenlogik eine Ausdrucksmächtigkeit auf, die ihre Verwendung als „lingua franca“ begünstigt. Eventuelle Probleme bei der (Rück-)Transformation prädikatenlogisch spezifizierter Ontologien in implementierungsnahe Formalismen werden in der Arbeit beispielhaft anhand des Resource Description Frameworks (RDF) [LaSw99] aufgezeigt werden.

2.1.2. Petri-Netze

Petri-Netze sind ein Beschreibungsmittel, das aufgrund mehrerer Eigenschaften für das hiesige Vorhaben geeignet scheint. Zum einen haben Petri-Netze eine formale Semantik, die es erlaubt, unterschiedliche Anwendungen umzusetzen. So können mit Petri-Netzen beschriebene Abläufe computergestützt analysiert, simuliert, animiert und optimiert werden [Jae96, 89]. Zum anderen können Petri-Netze in graphische Darstellungen überführt werden. Dadurch wird ihre Nachvollziehbarkeit auch für Anwender erleichtert, die den Umgang mit Formalismen nicht gewohnt sind. Darüber hinaus kann bei Petri-Netzen auf ein „theoretisches Fundament“ zurückgegriffen werden, das sich in den letzten Jahren etabliert hat. Fundamentale Vorarbeiten entstammen dabei der Informatik [Bau90, 49; DeOb96, 360; GiVa03, 81; Pro98, 130]. In den letzten 15 Jahren hat sich das Petri-Netz Konzept allerdings auch in den Wirtschaftswissenschaften etablieren können [Ada98, 139; GrKa96, 384; Liu02, 270; Obe96, 98; vdAa00, 647; Wei00, 46; Zel95, Bd.1, 11].

Von besonderer Bedeutung für das hiesige Vorhaben ist die Klasse höherer Petri-Netze. Hierunter fallen unter anderem Prädikat/Transitionen-Netze und gefärbte Petri-Netze. In höheren Petri-Netzen kann durch die Individualisierung und Strukturierung von Marken eine höhere Ausdrucksmächtigkeit erreicht werden, als dies beispielsweise bei Bedingung/Ereignis-Netzen und Stellen/Transitionen-Netzen möglich ist. Abbildung 1 gibt ein – stark vereinfachtes – exemplarisches Petri-Netz wieder, das für die Partnerkonfiguration in einem virtuellen Unternehmen eingesetzt werden könnte.

Abbildung 1: Exemplarisches Petri-Netz

In dem gegebenen Beispiel sind für die Transition „Projektkonfiguration“ zwei Vorstellen angegeben, die als Platzhalter für Marken mit Informationen zu potenziellen Partnern für ein virtuelles Unternehmen (Stelle „potenzielle VU-Partner“) oder zu potenziellen Projekten, die durch ein virtuelles Unternehmen durchgeführt werden könnten (Stelle „potenzielle VU-Projekte“), fungieren. Die in den Stellen enthaltenen Marken seien jeweils Abbildungen von Kompetenzprofilen. Die Partner seien durch Ist- und die Projekte durch Soll-Profile beschrieben. Die Transition „Projektkonfiguration“ schalte genau dann, wenn ein Soll-Profil durch mindestens ein – eventuell aus den Profilen mehrerer potenzieller Partner – zusammengesetztes) Ist-Profil gedeckt werde. In der Transition werde bei einem Schaltvorgang schließlich eine Marke erzeugt, die Informationen zum neuen Netzwerk enthalte, und in der Stelle „aktuelle VUs“ abgelegt werde.

Das Potenzial höherer Petri-Netze wurde bisweilen bereits bei der Spezifikation prozessbedingter Operationen auf relationalen- [Rei91, 132], Nf2- [Obe96, 98], SGML- [Wei00, 113] und XML-Datenbanken [Len03, 170] ausgeschöpft.

Für die vorliegende Arbeit werden höhere Petri-Netze als methodische Grundlage vorausgesetzt. Es wird dabei davon ausgegangen, dass dadurch bei geringerer Komplexität eine höhere Ausdrucksmächtigkeit erreicht werden kann, als sie bei sonstigen Petri-Netzen und den gängigen Modellierungsmethoden für Geschäftsprozesse gegeben ist. Von der Verwendung von Petri-Netzen als methodische Grundlage wird erhofft, den Formalisierungs- und den Nebenläufigkeitsdefekt aufheben zu können. Dennoch weisen bisher bekannte Modellierungs-Methoden, die auf dem Petri-Netz-Konzept basieren, den Sprach- oder den Ausdrucksdefekt auf. Durch die Integration von Petri-Netzen und den bereits zuvor vorgestellten Ontologien wird eine Aufhebung auch dieser Defekte erhofft.

2.2. Methoden zur Evaluation des Integrationskonzeptes

Um sein Leistungspotenzial zu bestimmen, ist es notwendig, das entwickelte Integrationskonzept zu evaluieren. Eine solche Evaluation bedarf zweier Artefakte: Zum einen bedarf es eines  Anforderungskataloges. Zum anderen ist es notwendig, eine Evaluationsmethode zu bestimmen, die zur Anwendung des Anforderungskataloges auf das vorgestellte Integrationskonzept verwendet werden kann.

Der Anforderungskatalog soll die Zwecke berücksichtigen, für die das Konzept entwickelt wird. Die Zwecke ergeben sich hier aus der Verwendung des Integrationskonzepts für die Modellierung virtueller Unternehmen. Es werden daher im Forschungsprojekt PrOnto Verwendungszwecke für das Integrationskonzept aufgezeigt werden. Aus diesen Verwendungszwecken werden Anforderungen bestimmt werden, die für die Evaluation relevant sind. Der kausale Zusammenhang zwischen Verwendungszwecken und Anforderungen wird schließlich mittels textueller und graphischer Darstellung aufgezeigt werden.

Schließlich wird die Evaluation des Integrationskonzepts konzeptendogen[6] erfolgen, indem lediglich Konzepte als Alternativen berücksichtigt werden, die mindestens eines der o.a. methodischen Grundlagen mit dem Integrationskonzept teilen. Würde von einer solchen Vorgehensweise abgesehen und eine konzeptexogene Evaluation verfolgt werden, müssten Konzepte berücksichtigt werden die nicht die methodischen Grundlagen des zu entwickelnden Integrationskonzepts teilen. Dadurch würde allerdings eine ebenso intensive Untersuchung auch dieser Konzepte erforderlich werden. Da dies unweigerlich zu einer inhaltlichen „Versprengung“ führen würde, werden artfremde Methoden von vornherein ausgeschlossen.

Für die Messung der Ausprägungen der Anforderungen aus dem vorgegebenen Anforderungskatalogs auf das Integrationskonzept wird eine Ordinalskala unterstellt werden. Für jede Anforderung, die zuvor erarbeitet wurde, wird eine Aussage zum Leistungspotenzial des Integrationskonzepts gemacht werden.

3. Intendierte Ergebnisse

Im Forschungsprojekt PrOnto werden folgende Ergebnisse intendiert:

Integrationskonzept für ontologiebasierte Petri-Netze 

Das primäre Ergebnis der Arbeit wird ein integratives Konzept zur Modellierung virtueller Unternehmen sein. Den methodischen Rahmen für das Konzept bilden Petri-Netze und Ontologien. Daher wird das Integrationskonzept unter dem Begriff „ontologiebasierte Petri-Netze“ vorgestellt werden.

Wesentliches Bestandteil des Integrationskonzeptes wird eine Sprache mit dem prädikatenlogischen Kalkül höherer Netze sein. Höhere Petri-Netze werden schließlich dafür verwendet werden, Operationen auf dem Termapparat des prädikatenlogisch spezifizierten Modells auszuführen. 

Fallstudie

Das Integrationskonzept, das in der Arbeit entwickelt wird, wird anhand eines praxisrelevanten Beispiels operationalisiert werden. Hierzu wird zunächst ein Szenario natürlichsprachlich und semiformal repräsentiert werden, um die Nachvollziehbarkeit der anschließenden formalen Spezifikation zu erleichtern. Von diesem Konzepttransfer wird zum einen der Nachweis der Anwendbarkeit des Modellierungskonzepts auf Probleme der Unternehmenspraxis erhofft. Zum anderen wird von der Fallstudie eine „didaktische Anreicherung“ der Forschungsergebnisse erwartet. Für diese beiden Zwecke wird es jedoch voraussichtlich ausreichen, eine Fallstudie zu entwickeln, die explizit auf die Verdeutlichung des Leistungspotenzials des Integrationskonzepts ausgerichtet ist. Daher werden konzeptionelle Gesichtspunkte gegenüber realen Umständen eine höhere Gewichtung erlangen.

Evaluationsergebnis

Durch die Anwendung des Anforderungskataloges auf das entwickelte Integrationskonzept werden Aussagen über sein Leistungspotenzial für die konzeptionelle Modellierung virtueller Unternehmen gewonnen werden. Das Ergebnis wird dabei auch Aufschluss über das Leistungspotenzial des entwickelten Integrationskonzeptes für Fragestellungen aus der Praxis geben.

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[WüPh00]     
Wüthrich, H.A.; Philipp, A.: Grenzenlose Chancen durch Virtualisierung!? In: Zeitschrift Führung + Organisation, 69. Jg. (2000), Heft 4, S. 201-206.

[Zel95]
Zelewski, S.: Petrinetzbasierte Modellierung komplexer Produktionssysteme (Projekt PEMOPS), Bd. 1-10. Arbeitsberichte des Instituts für Produktionswirtschaft und Industrielle Informationswirtschaft (Nr. 5-15), Universität Leipzig 1995.

Anmerkungen

[1] Es wird dabei nicht ausgeschlossen, dass die mit Mehrdeutigkeit verbunden Effekte auch vorteilhaft sein können. Mehrdeutigkeiten können sich beispielsweise positiv auf die Ergebnisse einer modellgestützten Kreativitätssitzung auswirken. Für die Zwecke der Modellierung virtueller Unternehmen werden diese positiven Effekte hier allerdings ausgeschlossen.

[2] Für die vorliegende Projektdarstellung wird eine Arbeitsdefinition vorgenommen: Unter eine Ontologie wird die explizite und formalsprachliche Spezifikation der für eine Konzeptualisierung von Phänomenen der Realität verwendeten „sinnvollen“ sprachlichen Ausdrucksmittel verstanden. Die vorgelegte Arbeitsdefinition basiert auf der Definition von Gruber, der unter einer Ontologie die „Spezifikation einer Konzeptualisierung“ versteht [Gru93, 199].        

[3] Auf der Wissensebene [New82] wird Wissen unabhängig von Fragen der Implementierung repräsentiert (vgl. auch [Usch98, 9]). Newell macht die Existenz von Wissen von dem so genannten Rationalitätsprinzip abhängig [New82, 105]. Demnach ist Wissen einem rational handelnden Akteur dann zuzuschreiben, wenn er das Zielerreichungspotenzial von möglichen Handlungen kennt. Somit wird Wissen in einem rein funktionalen Sinn definiert [Gua95, 625; Rei91, 7]. Die internen Strukturen und Prozesse, die zur Zielerreichung beitragen, werden nach Newell auf der Symbolebene beschrieben.           

Ein Agent handelt entsprechend einer Spezifikation auf der Wissensebene, wenn seine beobachtbaren Handlungen logisch konsistent mit der Spezifikation sind [Gru93, 201]. Die Verbindlichkeit eines Agenten, Begriffe entsprechend einer Bedeutung zu benutzen, wie sie in einer Ontologie festgelegt wurde, wird auch als „ontological commitment“ bezeichnet [Gua98, 6].

[4] Der Begriff Leistungspotenzial wird in diesem Zusammenhang synonym mit Qualität verwendet. In Bezug auf Ontologien wird hier das Leistungspotenzial von dem Zweck, für den die Ontologien konstruiert wurden, und dem Erfüllungsgrad der Anforderungen, die sich aus diesem Zweck ergeben, abhängig gemacht.

[5] Es wird in der Literatur – synonym zu Begriff – des Öfteren auch von Konzepten gesprochen [Ort97, 31]. Von dieser alternativen  Bezeichnungsform wurde in der vorliegenden Projektdarstellung zunächst abgesehen, da der Bezeichner Konzept in einem anderen Zusammenhang (vgl. Abschnitt 2.2) verwendet wird.